Der Heidelberger FDP-Bundestagsabgeordnete Dirk Niebel besuchte in Begleitung des gesundheitspolitischen Sprechers der FDP-Bundestagsfraktion Dr. Dieter Thomae am 18. Juni die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie (BG Chemie) in ihrer Hauptverwaltung am Heidelberger Hauptbahnhof. Erwin Radek, Hauptgeschäftsführer der BG Chemie, hatte die Bundestagsabgeordneten zu einer Diskussion aktueller Probleme der gesetzlichen Unfallversicherung eingeladen. Die BG Chemie betreut als gesetzliche Unfallversicherung die gesamte chemische Industrie Deutschlands mit mehr als 12.000 Unternehmen und knapp einer Million Arbeitnehmer.
Aktuelle Probleme für die gesetzliche Unfallversicherung ergeben sich insbesondere aus der Globalisierung und dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Die BG Chemie ist ein selbstverwalteter Sozialversicherungsträger in der nach Gewerbszweigen organisierten Unfallversicherung. Die FDP-Vertreter betonten ihre Sorge, dass diese traditionelle Organisationsform nicht zukunftsfähig sein könnte. Privatisierungsüberlegungen könnten aus Kostengesichtspunkten eine Alternative darstellen.
E. Radek zeigt dagegen für die BG Chemie, dass über 80 % der Ausgaben als Entschädigungsleistungen direkt an die Versicherten zurückfließen. Auch die Aufwendungen für die Prävention von Unfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren kämen direkt den Betrieben zugute, so dass der Verwaltungsaufwand mit deutlich unter 10 % eine untergeordnete Rolle spiele. Radek verwies ferner auf die von der BG Chemie mitbewirkte drastische Senkung der Unfallzahlen in der chemischen Industrie und die Tatsache, dass die BG Chemie aufgrund ihrer Effizienzbemühungen nun zum fünften Mal in Folge den Beitrag habe senken können.
Als Hauptgeschäftsführer der BG Chemie ist E. Radek gleichzeitig die Geschäftsführung der Berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken Tübingen und Ludwigshafen übertragen. Als Unfallkliniken der Maximalversorgung sind beide Häuser von dem kürzlich verabschiedeten Fallpauschalengesetz besonders betroffen. E. Radek zeigte sich insbesondere besorgt, ob das pauschale Vergütungssystem den hohen Aufwand für die Behandlung von Schwerverbrannten, Querschnittgelähmten, Schädel-Hirn-Verletzten und Polytraumen aufwandgerecht finanzieren könne. Nur so sei die Vorhaltung derartig qualifizierter Zentren für die Behandlung Schwerunfallverletzter auf Dauer gesichert.
Heidelberg, den 18. Juni 2002





