Beschlüsse des Fachausschusses „Rohstoffe und chem... / BG Chemie: Beitrag erneut gesenkt
BG Chemie für kostensenkende Reformen - Privatisierung ist keine Lösung -
Angesichts der Probleme, die Globalisierung und Kostendruck durch verschärften Wettbewerb mit sich bringen, setzt die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie (BG Chemie) auf durchgreifende Reformen. "Wir müssen auf diese neuen Rahmenbedingungen reagieren, um die Unternehmen finanziell weiter zu entlasten", sagt Hauptgeschäftsführer Dr. Erwin Radek anlässlich eines Pressegesprächs am 22. April 2002 in Heidelberg. Von den Forderungen nach Privatisierung der gesetzlichen Unfallversicherung hält er nichts, weil Privatversicherungen die Leistungen der Berufsgenossenschaften nicht in dem Umfang und der Qualität und nicht ähnlich kostengünstig anbieten können.
Radek sieht in der Weiterentwicklung des berufsgenossenschaftlichen Systems, das Prävention, Rehabilitation und Entschädigung auf einzigartige Weise verbindet, den richtigen Weg zu Kosteneinsparungen. Dabei orientiert sich die BG Chemie daher seit Jahren erfolgreich am Management der Wirtschaftsunternehmen: "Nutzen- und Qualitätsmaximierung bei gleichzeitiger Kostenminimierung sind für uns die Messlatte. Damit haben wir inzwischen zum fünften Mal in Folge den Beitrag senken können."
Als Beispiel nannte Radek Qualitätsverbesserungen in der Heilbehandlung ihrer Versicherten nach Arbeits- oder Wegeunfällen durch gezielte Steuerung des Heilverfahrens. Die BG Chemie greift sofort ein, wenn Verzögerungen oder Komplikationen auftreten. So lassen sich die Folgekosten von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten minimieren und der Beschäftigte kann rasch wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Das kommt auch dem Arbeitgeber zugute, der damit die betrieblichen Folgekosten für Produktionsausfall, Ersatzkräfte und Lohnfortzahlung reduziert.
Die Reformen müssen aber tiefer greifen. Zusammen mit den übrigen Berufsgenossenschaften prüft die BG Chemie beispielsweise, ob und wie sich der Versicherungsumfang systemkonform begrenzen lässt. Hier geht es vor allem um die schärfere Abgrenzung des versicherten betrieblichen Bereichs zum unversicherten Privatbereich.
Nicht ausschliessen will Radek, dass die Berufsgenossenschaften im Zuge der Reformüberlegungen ihre Finanzierungsstrukturen modifizieren, um dem Problem der Altlasten zu begegnen. Altlasten sind hohe Rentenaufwendungen für Unfälle und Berufskrankheiten aus früheren Zeiten, die vor allem schrumpfende Gewerbezweige nicht oder kaum mehr werden aufbringen können.
Mit der Umsetzung der Reformen sieht Radek die Berufsgenossenschaften gut gerüstet für die Zukunft. Bei allen Überlegungen ist aber wichtig, dass die bewährten Grundstrukturen der gesetzlichen Unfallversicherung erhalten bleiben. "Unsere Stärken, nämlich Prävention und Rehabilitation aus einer Hand und unsere Nähe zur Praxis durch die Selbstverwaltung sollten wir im Interesse unserer Unternehmen und unserer Versicherten erhalten. Private Versicherer können von Umfang, Qualität und Kosten her keine gleichwertigen Leistungen erbringen."
Heidelberg, April 2002
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