Beschlüsse des Fachausschusses „Rohstoffe und chem... / BG Chemie: Beitrag erneut gesenkt
Optimale Prävention in der chemischen Industrie
Technische Jahreskonferenz 2001 der BG Chemie in Zittau
"Optimale Prävention führt zur Senkung der Unfallzahlen und zur Beitragsentlastung der Unternehmer. Läge die Unfallhäufigkeit in der chemischen Industrie heute noch auf dem Niveau von 1960, dann müsste die BG Chemie 800 Millionen DM mehr an Entschädigungsleistungen aufbringen. Das wäre eine Verdoppelung des Haushalts und damit eine Verdoppelung der Beitragszahlungen." Mit diesen Worten unterstrich der Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie (BG Chemie), Dr. Erwin Radek, die Bedeutung der Technischen Jahreskonferenz, die am 22./23. Mai 2001 in Althörnitz bei Zittau stattfand. Rund sechzig Arbeitsschutzexperten aus Industrie, Wissenschaft, Ministerien und Fachgremien sind zusammengekommen, um aktuell anstehende Fragen rund um Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zusammen mit Vertretern der BG Chemie zu erörtern.
Die Arbeitsschützer sehen in der Einbindung der Präventionsaufgabe in ein betriebliches Managementsystem eine nachhaltige Verbesserung der Effizienz und Effektivität des Arbeitsschutzes. Dieses Thema stand im Mittelpunkt der Tagung, denn Sicherheit und Gesundheitsschutz erhalten durch die Integration in die betrieblichen Organisationsstrukturen den gleichen Stellenwert wie beispielsweise Produktqualität. Wenn alle – vom Unternehmer bis zum Beschäftigten – sich an dem Unternehmensziel der Optimierung des Arbeitsschutzes beteiligen, lassen sich Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen noch wirksamer vermeiden. Zudem verbessert sich die Krankenstatistik, die Motivation der Mitarbeiter steigt und das Unternehmen wird wettbewerbsfähiger. Erfahrungsberichte von Unternehmen bestätigen den Erfolg des Arbeitsschutzmanagements.
Die BG Chemie unterstützt gezielt insbesondere kleinere und mittlere Betriebe, die das Arbeitsschutz-Management einführen wollen. Sie gibt den Verantwortlichen geeignete Methoden und Werkzeuge an die Hand, um Sicherheitsarbeit und Gesundheitsschutz in die betrieblichen Abläufe einzubinden.
Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz war die Verwirklichung von Arbeitsschutzzielen speziell in Klein- und Mittelbetrieben. Gut drei Viertel aller Mitgliedsbetriebe der BG Chemie haben weniger als fünfzig Beschäftigte. Um diesen Betrieben praktische Hilfestellungen zu geben, die Gefahrstoffsituation in ihrem Unternehmen zu erkennen und entsprechende Schutzmassnahmen treffen zu können, hat die BG Chemie mit dem Aufbau eines Gefahrstoff-Informations-Systems begonnen. Ziel ist es, Stoffdaten und Vorschrifteninhalte so aufzubereiten, dass dem Anwender leicht verständliche und praxisbezogene Handlungsanleitungen zur Verfügung stehen. Ohne spezielle Vorkenntnisse über die in seinem Betrieb eingesetzten Gefahrstoffe wird der Anwender von dem Programm zu den relevanten Datenblättern geführt. Dort findet er Angaben zu gefährlichen Reaktionen und Gesundheitsgefährdungen, zu technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmassnahmen sowie zur Einstufung und Kennzeichnung.
Besonderes Interesse zeigten die Teilnehmer der Technischen Jahreskonferenz an Themen aus der betrieblichen Praxis, insbesondere an ungewöhnlichen Unfällen und Störfällen und die daraus gewonnenen Erkenntnissen. Die Ursachenforschung und der anschliessende Erfahrungsaustausch auf diesem Gebiet trägt entscheidend dazu bei, in ähnlichen Situationen die Sicherheitsvorkehrungen in den Betrieben zu überprüfen und notfalls zu verbessern.
Die Technischen Jahreskonferenzen finden seit über hundert Jahren statt. Sie sind fester Bestandteil der engen Zusammenarbeit zwischen der Chemieindustrie und den am Arbeitsschutz beteiligten Organisationen auf den Gebiet der Prävention. Gerade die gemeinsame Erörterung von anstehenden Fragen garantiert Praxisnähe, Umsetzbarkeit und schliesslich den gemeinsamen Erfolg.
Heidelberg / Althörnitz, Mai 2001
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