Beschlüsse des Fachausschusses „Rohstoffe und chem... / BG Chemie: Beitrag erneut gesenkt
BG Chemie: Ein Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr 1999
- Beitrag erneut gesenkt
- 80 Pfennig von jeder Mark für Renten und Heilbehandlung
- Rentenbestand
- Das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen
- 80 Prozent weniger Unfälle seit 1960
- Mehr Mitgliedsbetriebe - weniger Vollarbeiter
- Kooperationen zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren
- Bausteinsystem in der Prävention
- Unfalluntersuchung
- Ausbildung: Nachfrage ungebrochen
- Kundennähe in der Sachbearbeitung
- Feststellungsverfahren schneller und besser
BG Chemie: Beitrag erneut gesenkt
Zum dritten Mal in Folge hat die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie (BG Chemie) ihren Beitragssatz gesenkt und damit eine Grössenordnung wie zuletzt für 1993 erreicht. Waren im Vorjahr noch DM 6,65 je DM 1.000 Entgelt in Gefahrklasse 1 zur Deckung der berufsgenossenschaftlichen Ausgaben erforderlich, sind es in diesem Jahr DM 6,60.
Die intensiven Anstrengungen um weitere Einsparungen und um Effizienzsteigerung unter Beibehaltung des hohen Qualitätsniveaus haben zum erneuten Rückgang des Beitrags geführt.
Die Ausgaben für Rehabilitations- und Entschädigungsleistungen sind 1999 nur sehr moderat gestiegen (+ 0,7 Prozent), obwohl auch die BG Chemie von den steigenden Kosten im Gesundheitswesen betroffen ist und die von ihr gezahlten Renten jährlich vom Gesetzgeber angepasst werden. Die weiterhin günstige Entwicklung der Unfallhäufigkeit, die 1999 zu einer 1000-Mann-Quote von 22 Arbeitsunfällen und damit zu einem neuen Rekordtief geführt hat, hielt den Anstieg der Ausgaben in engen Grenzen.
Reduzieren konnte die BG Chemie ihre Verwaltungkosten, und zwar um fast 3 Prozent. Die Verwaltungskosten enthalten Personalkosten und Sachaufwand und haben an den Gesamtausgaben einen Anteil von nur 8,75 Prozent. Bereits im Vorjahr sanken sie um ebenfalls knapp 3 Prozent. Personalanpassung und konsequente Nutzung von Einsparpotentialen haben dieses Ergebnis ermöglicht.
80 Pfennig von jeder Mark für Renten und Heilbehandlung
Die Gesamtausgaben der BG Chemie belaufen sich für 1999 auf 756,79 Millionen DM. Davon entfallen rund 608 Millionen DM allein auf die medizinische und berufliche Rehabilitation und finanzielle Entschädigung der Versicherten. Das sind über 80 Pfennig von jeder Mark, die die BG Chemie insgesamt ausgibt, und 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Den grössten Kostenblock bilden nach wie vor die Rentenzahlungen an die Versicherten und an Hinterbliebene. Sie machen mit 449,18 Millionen DM fast Dreiviertel (73,9 Prozent) der gesamten Entschädigungsleistungen aus.
Müssten, wie bei privaten Unfallversicherungen, die Versicherten für die Entschädigungsleistungen aufkommen, entfiele auf jeden Beschäftigten in der chemischen Industrie ein Beitrag von 661 DM im Jahr. Würden die gesamten Ausgaben der BG Chemie zugrunde gelegt, läge die Belastung 161 DM höher.
Rentenbestand
Zum Jahresende 1999 bezogen 36.691 Berechtigte eine Rente von der BG Chemie - 331 weniger als im Jahr davor. Darunter sind auch diejenigen, die zunächst eine vorläufige Rente erhalten. Der weit überwiegende Teil der Rentenempfänger, nämlich 82 Prozent, waren die Versicherten selbst, die verbleibenden Renten gingen an Hinterbliebene.
Der Anteil der Renten wegen Berufskrankheit liegt wie im vergangenen Jahr bei nahezu 27 Prozent. Besonders hoch (45 Prozent) ist der Anteil der Berufskrankheitenrenten bei den Witwenrenten, was vor allem auf die asbestbedingten Erkrankungen zurückzuführen ist.
Rekordtiefstand bei Arbeitsunfällen /
Das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen
Arbeitsunfälle - niedrigster Stand erreicht
Die Zahl der Arbeitsunfälle ist auf den niedrigsten Stand in der Geschichte der BG Chemie gesunken. Mit einer Unfallquote von 22 anzuzeigenden Arbeitsunfällen je 1 000 Beschäftigte in 1999 nimmt die chemische Industrie den Spitzenplatz unter den Industriezweigen ein. Dieses Ergebnis ist dem hohen Sicherheitsbewusstsein in den Betrieben zu verdanken.
Der Rückgang gegenüber 1998 beträgt 3 Prozent. Vor zehn Jahren lag die Unfallquote noch bei fast 36 Arbeitsunfällen je 1 000 Beschäftigte. Legt man die geleisteten Arbeitsstunden zugrunde, ergibt sich ein Rückgang von 3,6 Prozent.
Arbeitsunfall-Ursachen
Einen Schwerpunkt bildeten erneut die sogenannten Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle. Mit 3 773 Unfällen dieser Art im Jahr 1999 ist nahezu jeder fünfte Unfall dieser Kategorie zuzuordnen. Die Unfallfolgen sind zum Teil erheblich: immerhin fast 27 von hundert Neurenten beziehen sich auf diesen Unfalltyp.
Mehr als ein Fünftel aller anzuzeigenden Arbeitsunfälle
ereignete sich in den Arbeitsbereichen Transport, Verkehr, Förderung und Lagerung. Auch hinsichtlich der Unfallfolgen sind diese Arbeitsbereiche Schwerpunkte im Unfallgeschehen. 40 Prozent der neuen Unfallrenten entfallen auf Unfälle in diesen Bereichen.
Dagegen spielen die chemietypischen Arbeitsunfälle eine untergeordnete Rolle. Es ereigneten sich 81 Vergiftungen (0,4 Prozent) und 403 Verätzungen (2,0 Prozent).
Wegeunfälle
Bei den Wegeunfällen ist dagegen ein Anstieg um 2,6 Prozent festzustellen. 253 Unfälle waren so schwer, dass sie mit einer Rente entschädigt wurden.
Berufskrankheiten
Die Zahl der Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit ist mit einem geringfügigen Anstieg von 0,6 Prozent nahezu konstant gegenüber dem Vorjahr. 3 513 Verdachtsanzeigen wurden der BG Chemie gemeldet. Damit scheint der Trend des starken Anstiegs der Verdachtsanzeigen zu Beginn der 90er Jahre seit 1994 gestoppt.
Bemerkenswert ist ein Rückgang von knapp 10 Prozent bei den Anzeigen auf Verdacht einer Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose), der häufigsten asbestbedingten Erkrankung. Das aktuelle Berufskrankheitengeschehen, insbesondere hinsichtlich Erkrankungen durch Asbest, ist kein Spiegelbild der heutigen Betriebsverhältnisse. Wegen der langen Latenzzeiten reichen die Ursachen bis in die 50er und 60er Jahre zurück, als der Arbeitsschutz noch nicht das heutige hohe Niveau hatte.
Nach den asbestbedingten Erkrankungen bilden die Hauterkrankungen den zweiten Schwerpunkt im Berufskrankheitengeschehen der BG Chemie. Auch die Lärmschwerhörigkeit gehört zu den häufigen Erkrankungen.
Bei über 40 Prozent der in 1999 entschiedenen Fälle hat sich der Verdacht einer Berufskrankheit bestätigt. In knapp 40 Prozent der anerkannten Berufskrankheitenfälle war die Erwerbsfähigkeit um wenigstens 20 Prozent gemindert, so dass sie mit Rentenleistungen verbunden sind.
80 Prozent weniger Unfälle seit 1960
Der Rückgang des Unfallgeschehens im Bereich der chemischen Industrie - bezogen auf die anzuzeigenden, das heisst der Meldepflicht unterliegenden Arbeitsunfälle - ist beeindruckend. 1999 lag die Unfallquote bei 22 anzuzeigenden Arbeitsunfällen je 1000 Beschäftigte, das beste Ergebnis in der Geschichte der BG Chemie. Im Vergleich zum bisherigen Höchststand im Jahr 1960, als gut jeder zehnte Beschäftigte im Jahr einen Arbeitsunfall erlitt, ist die Unfallhäufigkeit damit um 80 Prozent, das heisst auf ein Fünftel gesunken. Die Wegeunfallquote ging im gleichen Zeitraum um knapp 70 Prozent zurück.
Mehr Mitgliedsbetriebe - weniger Vollarbeiter
Die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie zählte 1999 insgesamt 12 737 Betriebe der chemischen und chemie-verwandten Industrie zu ihrem Mitgliederbestand. Die anhaltende Tendenz zur Verselbständigung von Betriebsteilen liess die Zahl der Mitgliedsbetriebe damit um 302 Betriebe beziehungsweise 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ansteigen. Die Zahl der Vollarbeiter, eine Grösse auf der Basis der geleisteten Arbeitsstunden, ging dagegen aufgrund der gleichzeitigen Personalanpassung um 0,7 Prozent von 932 533 auf 920.406 zurück. Diese Kennzahl hatte 1991 mit der deutschen Wiedervereinigung mit 1 159 018 ihren Höhepunkt erreicht. Ihr Rückgang hat sich inzwischen jedoch stetig verlangsamt.
Kleinere Betriebe überwiegen in der chemischen Industrie. Fast 80 Prozent der Unternehmen haben weniger als 50 Beschäftigte. Betriebe mit 500 und mehr Beschäftigten machen 2,6 Prozent des Unternehmerbestandes aus. Dort arbeitet über die Hälfte (53 Prozent) aller versicherten Beschäftigten.
Kooperationen zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren
Die BG Chemie wirkt gemeinsam mit Krankenkassen und Betrieben arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren entgegen. Zu diesem Zweck hat sie mehrere Kooperationenvereinbarungen geschlossen. Partner sind die Betriebskrankenkassen und das Unternehmen.
Die Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren umfasst mehr als die Vermeidung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Dazu gehören auch Gesundheitsstörungen wie beispielsweise Erkrankungen der Wirbelsäule oder des Herz-Kreislauf-Systems. Durch die Verknüpfung der Informationen von Krankenkasse, Betrieb und Berufsgenossenschaft entstehen Kenntnisse, aus denen gezielte Massnahmen zum Gesundheitsschutz abgeleitet werden können.
Bausteinsystem in der Prävention
Das von der BG Chemie entwickelte Bausteinsystem zur sachgerechten Präventionsberatung der Unternehmen hat sich in den vergangenen drei Jahren als wirksam und effizient bewährt. Es basiert auf einem Screening-Verfahren ähnlich der Gefährdungsanalyse und erlaubt, anhand weniger Indikatoren den konkreten Handlungsbedarf im Betrieb systematisch zu erkennen. Die BG Chemie hat dieses methodische Bausteinsystem entwickelt, um die Zeit möglichst effizient zu nutzen, die eine umfassende und wirksame sicherheitstechnische Beratung erfordert.
Besonders in solchen Betrieben, die bereits ein hohes Sicherheitsniveau erreicht haben, lässt sich der Zeitaufwand für die Analyse des Handlungsbedarfs erheblich reduzieren. Ist der Handlungsbedarf gemeinsam mit den an der Sicherheitsarbeit beteiligten Personen erkannt, kann die Präventionsberatung am konkreten Problem orientiert erfolgen.
Unfall-Untersuchung
1999 wurden der BG Chemie 20 320 anzuzeigende Arbeitsunfälle gemeldet. Davon hat die BG Chemie 5 700 Unfälle eingehend vor Ort untersucht und Sicherheitsmassnahmen festgelegt. Die Unfall-Untersuchungen, die zum Teil veröffentlicht werden, dienen dazu, dass sich gleichgelagerte Fälle nicht wiederholen.
Ausbildung: Nachfrage ungebrochen
14.372 Teilnehmer haben 1999 die Präventions-Seminare der BG Chemie besucht. Das waren rund 450 beziehungsweise 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen fast 2000 Teilnehmer an regionalen Fortbildungsveranstaltungen. Rund 85 Prozent der Seminare finden in den beiden Bildungsstätten der BG Chemie in Maikammer (Weinstrasse) und in Laubach (Krs. Giessen) statt. Inhaltlich wenden sich die über 70 unterschiedlichen Seminararten an Unternehmer, Führungskräfte, Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte, Sicherheitsbeauftragte und Betriebsräte.
Kundennähe in der Sachbearbeitung
Die BG Chemie setzt verstärkt auf Versichertenfreundlichkeit und Kundennähe in der Sachbearbeitung. Nach einem Versicherungsfall nimmt sie frühzeitig telefonischen oder persönlichen Kontakt mit dem Versicherten auf und stellt so eine Vertrauensbasis her. Auf Wunsch erläutert sie Entscheidungen mündlich und macht sie verständlich. Damit werden Missverständnisse und Informationsdefizite auf unbürokratische Weise ausgeräumt. Eine Umfrage unter den Versicherten hat ergeben, dass sie die persönliche Betreuung schätzen.
Feststellungsverfahren schneller und besser
Die BG Chemie konnte die Bearbeitungszeiten von Versicherungsfällen in den vergangenen Jahren deutlich reduzieren und dabei die Qualität ihrer Arbeit noch verbessern. Das hat sie mit dem Einsatz bedarfsorientierter EDV-Programme erreicht. Verwaltungsverfahren werden effizienter gestaltet, Bearbeitungsschritte und -abläufe fortentwickelt und Formtexte adressatengerechter formuliert. Die BG Chemie wird mit diesen Massnahmen fortfahren, um das Feststellungsverfahren noch schneller und noch besser zu gestalten.
Heidelberg, Mai 2000
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