Beschlüsse des Fachausschusses „Rohstoffe und chem... / BG Chemie: Beitrag erneut gesenkt
Prävention: modern und wirksam
Technische Jahreskonferenz der BG Chemie in Bamberg
"Moderne, wirksame Prävention packt das Übel hoher Entschädigungsaufwendungen an der Wurzel. Sie ist eine humanitäre Aufgabe und sie zahlt sich aus." Das sagte Dr. Erwin Radek, Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie (BG Chemie), am 17. Mai 2000 in Bamberg vor Arbeitsschutzexperten aus Industrie, Behörden und Fachgremien, die zur Technischen Jahreskonferenz der BG Chemie zusammengekommen waren. Dieses Forum trifft sich einmal im Jahr, um aktuell anstehende Fragen rund um Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zusammen mit Vertretern der BG Chemie zu erörtern. Radek nannte die direkten Unfallkosten wie Heilbehandlung und Renten nur die Spitze des Eisbergs. Bis zu schätzungsweise fünfmal höher sind die Kosten durch Produktionsausfall, Ersatzkraft und Lohnfortzahlung, die den Betrieb belasten. Deshalb lohne sich hohe Qualität in der Prävention.
Der Wandel in der Arbeitswelt durch Globalisierung, Wettbewerbs- und Kostendruck sowie durch neue Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse stellt neue Herausforderungen an die Prävention. "Um die Qualität zu erhalten und zu verbessern, muss der Arbeitsschutz sich neu positionieren und in die gesamten Handlungsabläufe des Betriebes integriert werden," sagte Thomas Köhler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der BG Chemie, der auf das moderne Verständnis vom Stellenwert der Prävention einging. Ergänzt werde der Arbeitsschutz durch betriebliche Gesundheitsförderung. Eine dadurch gestärkte Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen und ihre verbesserte Motivation erhöhen die betriebliche Gesundheitsquote und tragen so langfristig zum Erfolg des Unternehmens bei.
Als wesentlich für eine moderne Arbeitsschutzphilosophie sah Ulrich Becker, Ministerialrat bei Bundesarbeitsministerium, die Neuordnung des Arbeitsschutzrechts. Am Beispiel des Gefahrstoff- und Biostoffrechts machte er deutlich, dass staatliches Recht und berufsgenossenschaftliches Recht kompatibel sein müssen. Er begrüsste, dass die BG Chemie mit der berufsgenossenschaftlichen Vorschrift BGV B1, die den Umgang mit Gefahrstoffen regelt, hier eine Vorreiterrolle spielt. Die Neuordnung des Arbeitsschutzrechts nahm Wilfried Coenen, Leiter des Geschäftsbereich Prävention des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften, zum Anlass, die Zusammenarbeit von Staat und Berufsgenossenschaft bei der Rechtssetzung und in der Praxis darzustellen. Sie seien dabei gleichgewichtige Partner, die sich in ihrer Tätigkeit ergänzen und spannungsfrei Probleme erörtern, sagte er.
Eher international ging es auf der Technischen Jahreskonferenz bei dem Thema der globalen Harmonisierung der Einstufung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe und Güter zu. Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro hatte ein weltweites Harmonisierungssystem beschlossen, das den Internationalen Handel als unverzichtbare Basis des Chemikalienmanagements erleichtern soll. Die Harmonisierung soll eine gemeinsame Grundlage für die verschiedenen Anwendungsbereiche wie Tranport und Lagerung, Arbeitsschutz und Anlagensicherheit, Umwelt- und Verbraucherschutz schaffen.
Besonderes Interesse zeigten die Teilnehmer der Technischen Jahreskonferenz an Themen aus der täglichen Praxis. Da ging es beispielsweise um arbeitsmedizinische Aspekte bei der Entsorgung von Rüstungsaltlasten, um die Fahrzeugsicherheit bei Be- und Entladeprozessen oder um eine neue Technologie, die ein Unternehmen beim Aufbau einer Teppichboden- Recycling-Anlage anwendet. Während früher der Altstoff Deponien und Müllverbrennungsanlagen belastete, wird mittels der neuen Technik aus gebrauchtem Polyamid ein neuwertiges Polyamid hergestellt - eine vorbildliche Verbindung von Ökonomie und Ökologie.
Heidelberg/Bamberg, Mai 2000
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